Studie · Kantonales Laboratorium Thurgau

Gesundheitsrisiko Enthärtungsanlage: Keime im Trinkwasser – die Studie des Kantonalen Labors Thurgau

Das Kantonale Laboratorium Thurgau hat 2016 das Trinkwasser von 23 Enthärtungsanlagen vor und nach der Anlage untersucht. Ergebnis: Die Anlagen senken die Wasserhärte sehr effizient – doch bei 85% der untersuchten Anlagen enthielt das Wasser danach mindestens doppelt so viele Mikroorganismen. Laut Bericht kann eine erhöhte Keimzahl mit einer gesundheitlichen Gefährdung einhergehen.

«Es ist bedenklich, wie das angelieferte gute Trinkwasser in den Enthärtungsanlagen durch Mikroorganismen verunreinigt werden kann.»
Christoph Spinner
Kantonschemiker Thurgau, im St. Galler Tagblatt (29.03.2017)
Die Resultate

Mehr Keime nach der Enthärtung

Untersucht wurden 2016 23 zufällig ausgewählte Enthärtungsanlagen in Privathäusern und Schulen – jeweils das Trinkwasser vor und nach dem Enthärter, auf bakteriologische Reinheit und chemische Zusammensetzung.

85%: Keimzahl verdoppelt

Bei 85% der Anlagen stieg die Zahl nachweisbarer Mikroorganismen (Bakterien und Pilze) im Trinkwasser mindestens auf das Doppelte.

26%: über dem Höchstwert

Bei 26% der Anlagen wurde der damalige gesetzliche Höchstwert für Keime um das 3- bis 600-Fache überschritten.

90%: zu stark enthärtet

Bei 90% der Anlagen lag die Härte unter 15 °fH, bei rund der Hälfte sogar unter 7 °fH.

Warum Keime in Enthärtern wachsen

Im Austauscherharz einer Enthärtungsanlage können sich Bakterien ansammeln und vermehren. Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) schreibt deshalb vor, dass jede Anlage spätestens alle sieben Tage rückgespült wird, um «Partikel und Bakterien, die sich im Austauscherharz ansammeln und vermehren können, auszuspülen» (Merkblatt W10027, Ausgabe Juni 2015, Abschnitt 10). Wird der Unterhalt vernachlässigt, «kommt es in der Enthärtungsanlage zu einer Keimvermehrung, was zu hygienischen Problemen führt» (Abschnitt 13).

Das Thurgauer Labor empfiehlt deshalb einen kühlen Standort, eine eingebaute Desinfektionsvorrichtung und eine mindestens jährliche Wartung. Kantonschemiker Christoph Spinner im St. Galler Tagblatt: Enthärter stünden nicht selten unbeachtet im Keller, die jährliche Wartung und Reinigung könne dadurch vergessen gehen. Sein Fazit: «Jeder Eingriff in die Trinkwasser-Zufuhr ist ein Risiko.»

Einordnung

Die Untersuchung stammt aus dem Jahr 2016 und umfasst 23 Anlagen – eine Stichprobe, keine landesweite Erhebung. Die Befunde decken sich mit dem SVGW-Merkblatt W10027 (Ausgabe Juni 2015), das die «hygienische Beeinträchtigung des Trinkwassers, insbesondere Keimvermehrung bei unzureichender Kontrolle und Unterhalt» als ersten Nachteil von Enthärtungsanlagen nennt (Abschnitt 16).

Was das für die Wahl des Kalkschutzes bedeutet

Jede Enthärtungsanlage ist ein Eingriff ins Trinkwassersystem: Das gesamte Wasser fliesst durch das Austauscherharz. Aquazino Geräte mit EAF-Technologie werden dagegen aussen am Rohr montiert – ohne Rohrschnitt, ohne Salz und ohne Regeneration; das Wasser fliesst nicht durch das Gerät.

Alle Nachteile von Enthärtungsanlagen im Überblick →

FHNW-Studie zur Wirkung von Aquazino →

Der Bericht im Volltext

Kantonales Laboratorium Thurgau, Montag, 13. März 2017 – wortgetreue Wiedergabe. Berichte von Behörden sind nach Art. 5 URG nicht urheberrechtlich geschützt. Original-PDF beim Kantonalen Laboratorium Thurgau

Schlechtes Wasser durch Enthärter

Seit den 1970-er Jahren werden Enthärter zunehmend in privaten Haushalten eingesetzt, um Trinkwasser zu entkalken. Durch diese Geräte mag sich lästige Putzarbeit aufgrund Kalkablagerungen reduzieren lassen, doch deren Einsatz ist nicht immer ganz unproblematisch: Enthärtetes Wasser kann verzinkte Leitungen verstärkt zum Korrodieren bringen und durch Mikroorganismen verunreinigt sein.

Untersuchungsziele und Methodik

Wie es der Name sagt, reduzieren Enthärter die Härte von Wasser. Die Gesamthärte im Wasser setzt sich zusammen aus den darin enthaltenen Calcium- und Magnesiumionen. Angegeben wird sie z.B. in französischen Härtegraden (°fH). Enthärter machen also nichts anderes, als Calcium und Magnesium durch Natrium zu ersetzen. Dadurch wird verhindert, dass sich Ablagerungen (wie Kalk) bilden können, weil Natrium-Salze beim Erhitzen im Wasser gelöst bleiben. Die Qualität des Trinkwassers als Nahrungsmittel wird dabei allerdings tendenziell negativ beeinflusst. Calcium wird nämlich vom menschlichen Körper für den Knochenaufbau benötigt. Natrium hingegen erhöht in grösseren Mengen den Blutdruck.

2016 untersuchte das kantonale Laboratorium 23 zufällig ausgewählte Enthärteranlagen in Privathäusern und Schulen. Das Trinkwasser wurde vor und nach dem Enthärter auf seine bakteriologische Reinheit und chemische Zusammensetzung hin untersucht.

Proben und Resultate

Die gute Nachricht: Die Enthärter reduzieren die Wasserhärte sehr effizient. Die schlechte Nachricht: Das Wasser wird in vielen Geräten zu stark enthärtet. Der Test bringt es ans Licht: Die Gesamthärte des enthärteten Wassers lag bei 90% der Anlagen unter 15 °fH und in rund der Hälfte sogar unter 7 °fH. Weiches – also kalkarmes – Wasser besitzt in der Regel einen Härtegrad von etwa 10 bis 15 °fH. Eine Enthärtung auf etwa 15 °fH würde also prinzipiell ausreichen, um eine übermässige Verkalkung von Armaturen und Geräten zu vermeiden. Dass der Installateur am Gerät eine niedrige Resthärte einstellt ist zwar verständlich, niemand will sich vorwerfen lassen, unwirksame Geräte zu verkaufen. Doch der Kunde erkauft sich damit Nachteile wie:

  • eine geschmackliche Beeinträchtigung des Trinkwassers
  • hohe Natriumgehalte
  • eine verstärkte Korrosion verzinkter Metallleitungen (Rost in den Leitungen ist ein Indiz dafür).

Der Test bringt ein weiteres Problem ans Licht: Bei 20 Anlagen (85%) stieg die Zahl der nachweisbaren Mikroorgansimen (Bakterien und Pilze) im Trinkwasser um mindeste das Doppelte an. Bei 6 der Enthärter (26%) wurde sogar der gesetzlich festgelegte Höchstwert für Keime im Trinkwasser um das 3 – 600 fache überschritten. Dies ist ein bedenkliches Resultat, da eine erhöhte Keimzahl nicht nur mit einer geschmacklichen Beeinträchtigung sondern auch einer gesundheitlichen Gefährdung einhergehen kann.

Beurteilung und Zusammenfassung

Grundsätzlich sollte Trinkwasser nur dann enthärtet werden, wenn dessen Härte über 30 °fH liegt. Wird Trinkwasser enthärtet, sollte das Gerät so eingestellt werden, dass im Wasser eine Resthärte von etwa 15 °fH verbleibt. Verhindern Sie Verkeimungsprobleme, indem Sie den Enthärter möglichst kühl platzieren, ein Gerät mit einer eingebauten Desinfektionsvorrichtung anschaffen und dieses mindestens jährlich warten lassen. Werden Enthärter im Leitungsnetz von Mietwohnungen installiert, ist nach dem Lebensmittelgesetz übrigens der Hauseigentümer verpflichtet, dafür zu sorgen, dass das Trinkwasser durch den Enthärter nicht nachteilig beeinflusst wird.

Quellen

  1. Kantonales Laboratorium Thurgau: «Schlechtes Wasser durch Enthärter», 13. März 2017 – Original-PDF
  2. St. Galler Tagblatt: «Viele Bakterien in entkalktem Trinkwasser», 29.03.2017 – Artikel
  3. SVGW: Merkblatt W10027 d «Enthärtungsanlagen – Ionenaustauscher», Ausgabe Juni 2015, Abschnitte 10, 13 und 16 – SVGW-Regelwerk

Stand: Oktober 2026

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